Herr Brömmel und die Bienen

Viel Wissenswertes und eine Menge Unterhaltung beim Jahresausflug zur Imkerei Werner Seip

Gut verpflegt reist es sich leichter!

Gut verpflegt reist es sich leichter!

Mit dem Bus geht die Fahrt durch Feld, Wald und Wiesen, durch herrliche Natur.

Von 7 bis 20 Uhr sind wir an jenem sonnigen Samstag, dem 17. Juni 2017, unterwegs. Auf halbem Weg machen wir Vesperpause. Fleißige Helfer bauen im Nu ein Frühstücks-buffet mit allem, was das Herz begehrt, auf. Nicht einmal der Sekt und die Würstchen fehlen! Erste Gespräche stärken die Kontakte unter den Vereinsmitgliedern.

Die Berufsimkerei Seip finden wir zwischen Frankfurt/M. und Gießen in Butzbach/ Ebersgöns, inmitten einer abwechslungs-reichen Landschaft, umsäumt von bewaldeten Hügeln, umrandet von blühenden Holunderbüschen und durchschlängelt von kleinen Bächen. Das ist Bienenland. Werner Seip gibt Königinnen an die Imker der Umgebung ab – kostenlos! Damit seine Bemühungen um die Königinnenzucht nicht verwässert werden.

Noch bevor wir zur Einführung in seine Betriebsweise Platz nehmen, nimmt ein Gockel aufmerksam die Parade der Ankommenden ab. Eine so wichtige Persönlichkeit wie er wird als erster vorgestellt: Der dicke Hahn heißt „Herr Brömmel“. Er ist so breit wie hoch und hat einen verbundenen Hahnenfuß, der gerade mit Manukahonig behandelt wird. Als Küken wurde er überall hin mitgenommen und hat sich so an seine Menschenfamilie gewöhnt, dass er sich sogar zum Mittagsschlaf an den Hausherrn kuschelt.

Besonders zutraulich und von stattlicher Statur: Herr Brömmel!!

Besonders zutraulich und von stattlicher Statur: Herr Brömmel!!

Aus der Eier legenden Hühnerschar hat er ein einziges kleines feines Hühnchen zum Weibe erkoren. Sie muss immer bei ihm sein. Sieht er sie nicht, geht er auf die Suche nach ihr. „Sie ist gewissermaßen Frau Brömmel.“, meint Seip. Alle Tiere auf seinem weitläufigen Gelände sind so entspannt: die Hunde, Katzen, Enten, Lamas. Selbst die Bienen parken friedfertig in einer gewaltigen Wolke im Rücken der den Bienenstand beobachtenden Imker. Diese Dussel müssen aber auch immer direkt vor den Fluglöchern stehen!

Die traditionsreiche Imkerei Seip beschäftigt insgesamt 22 Personen. Die Hauptarbeit verrichten das Ehepaar und die Tochter Angela, die erst kürzlich Mutter wurde und vor zwei Jahren ihren Imkermeistertitel erwarb. 2016 hatte das Unternehmen 500 Völker. Es hört sich seltsam an: Seip will keinen Honig haben! Das ist verständlich, wenn er die Helfer nicht bekommt, die er braucht. Die Schwerpunkte seines Einkommens sind der Verkauf von Ablegern und die Königinnenzucht. Den Honig verkauft er nur an Imker zum Großhandelspreis, die zu wenig geerntet haben. „In meinem Arbeitsleben habe ich schon Tausende Königinnen verkauft, in die ganze Welt“, sagt Seip. In zwei Tagen wird er 320 Königinnen zur Post bringen. Vor dem Wirtschaftsembargo lieferte er sogar nach Russland an ein bienenwissenschaftliches Institut.

Während Seip uns von seinem Betrieb berichtet, kommt ein Anruf: Ein Neu-Imker will wissen, was er machen soll: Der Wassergehalt seines geschleuderten Honigs ist zu hoch. Seip rät ihm, den Honig wieder an die Bienen zu verfüttern, eventuell mit Wasser verdünnt. Die Bienen verstehen das Dehydratisieren immer noch am besten. Nach neuerlicher Ernte wird der Honig schön zäh sein.

Nein, Seip setzt nicht auf die künstliche Besamung. Er setzt auf Pflegevölker. Die prall gefüllten Pflegevölker erhalten ein bis zwei belarvte Zuchtrahmen, an denen zwischen 20 und 38 Königinnenzellen betreut werden. Die Zellen kommen zur weiteren Bewärmung in den Brutschrank, während das Pflegevolk den nächsten Zuchtrahmen erhält. Damit der Pflegetrieb erhalten bleibt, gibt Seip alle vier bis fünf Tage zwei bis drei Brutwaben hinzu. Das ist ein bewährtes Verfahren. „Never change a winning team.“ Womit Seip ausdrücklich betont, dass er seine Arbeitsweise anderen nicht empfiehlt. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Aber abschauen kann man sich dennoch viel bei ihm, z. B. wie man das Verbauen zwischen den Weiselzellen verhindert: täglich eine neue Mittelwand geben.

Der erste Bienenstand ist mit Ablegern bestückt. Wie bildet Seip einen Ableger? Er setzt drei Brutwaben ins Magazin, dazu zwei Futterwaben. In den Futterkranz drückt er eine Interessantes am Ablegerstand_schlupfreife Weiselzelle. Nach 10 bis 14 Tagen wird die neue Königin in Eilage gehen. Bis dahin öffnet man den Kasten nicht. Seip füttert die Ableger nur mit Apifonda. Falls keine Stifte zu finden sind, erfolgt die Weiselprobe. Kontrolle nach drei Tagen.Wenn der Ableger es auf zwei Brutwaben geschafft hat, wechselt er den Besitzer (für 80 €).

Nun kommt es bisweilen vor, dass die junge Königin nur Drohnenbrut legt. Man merkt das erst, wenn die Zellen gedeckelt sind. Dieser Ableger muss natürlich aufgelöst werden. Die Drohnenbrütigkeit darf man nicht mit der Brut der Afterweiseln verwechseln. Die Afterweiseln sind Arbeiterinnen, die ihre Eierstöcke aktiviert haben, eine absolute Notreaktion. Auch hier entsteht nur Drohnenbrut. Im letzteren Fall wird der Kasten 100m weit weggestellt und alle Waben abgefegt. Die Eier legenden Arbeiterinnen können nicht zurück fliegen.

Die Ableger stehen auf zwei Brettern, die einen deutlichen Abstand voneinander haben. Unterlegt sind die Bretter am Anfang und am Ende durch je 2 hochkant stehende Hohlblocksteine. Durch den Abstand ist eine gute Luftumwälzung garantiert. Im Winter ist der Abstand sogar noch größer. Ständig von Luft umspült überwintert der Ableger besser.

Will man einen Ableger mit einer begatteten Königin bilden, geht man so vor: zwei bis drei Brutwaben, vollkommen gedeckelt, mit Bienen besetzt, kommen in eine Zarge oder Ablegerkasten. In zwei Stunden tritt die Weiselunruhe ein. Dann wird die begattete Königin in ihrem Zusetzkäfig (mit Futterteigverschluss) zwischen die Waben gehängt. Erst nach 10 Tagen schaut man nach, ob die neue Königin stiftet.

Seip und seine Helfer arbeiten an den Völkern immer in Schutzkleidung. Zur Demonstration, wie gut sich seine Bienen händeln lassen, verzichtet er aber an diesem Samstag auf Schleier und Handschuhe. Völkerdurchsicht: Was passiert zuerst? Die Königin wird gesucht! Jahrelang haben wir Vereinsimker etwas anderes gelernt: Ob die Königin da ist, sehe ich auch an den Stiften. Anfänger, die die Königin sehen wollten, ernteten von den „alten Hasen“ einen spöttischen Spruch. Anders Werner Seip: Er nimmt den Deckel ab, entfernt vorsichtig die Folie, zieht eine Wabe aus der Mitte, sucht die Königin und hat sie schnell gefunden. Sie wird im „Iltis“ gekäfigt und auf die Rähmchenoberträger gestellt.

Der Iltis im Einsatz!

Der Iltis im Einsatz!

So ist der Kontakt zum Volk noch da. Den Iltis niemals auf die besonnte Blechhaube geben, sonst wird die Königin gegrillt. Hätte der Imker zuerst einmal Rauch ins Volk geblasen, wäre die Königin ins Versteck in untere Bereiche geflüchtet. Wie nimmt ein Bienenvolk den Rauch aus dem Smoker wahr? Bestimmt nicht als Beruhigung! Im Gegenteil, es gerät sofort in den Angstmodus. Rauch bedeutet für Bienen Lebensgefahr! Der Reflex „Waldbrand“ wird ausgelöst, d.h. die Bienen stürzen sich auf die Futtervorräte und pumpen sich voll, damit sie gut gerüstet dem zu erwartenden Feuer entkommen können. Rauch ist nur hin und wieder bei allzu heftigen Attacken der „alten Tanten“ angebracht. Es hilft aber auch die Abwehrsalbe “Apizin“, mit der man sich die Hände einreiben kann. Wir nehmen sie später aus dem reich bestückten Laden mit.

Ja, warum macht sich Seip die Mühe des Königinsuchens (bei 500 Völkern!)? Die Antwort leuchtet ein: Ist die Königin gesichert, kann er alles mit dem Volk machen. Sie kann nicht zu Schaden kommen. Nach erfolgter Durchsicht lässt er das wertvolle Tierchen wieder zwischen die Rähmchen hineinlaufen. Die Folie schlägt er an einer Ecke ein, so sind immer Bienen oben – als Abschreckung für Neugierige, die nicht unbedingt wohlwollende Absichten hegen.

Nach dem leckeren Mittagessen in der Waldgaststätte „Forsthaus Butzbach“, wo Herr Seip uns Gesellschaft leistet, besuchen wir die Vatervölker und vernehmen weitere erstaunliche Erkenntnisse, die uns einleuchten:

Welche Beuten bevorzugt Werner Seip? Eindeutig solche aus Kunststoff bzw. Styropor. Die sind leicht und isolieren gut. Wie oft schneidet er die Drohnenbrut aus?Antwort: Überhaupt nicht! Zur Begründung erklärt er uns, dass wir mit dem Drohnenschneiden die biologische Vielfalt kaputt machen. Das sei keine vernünftige Auswahl. Wir „töten die Zuchtbullen“ und vermehren die „Krüppel“. Wenn diese Methode der Milbenreduzierung so erfolgreich wie erwartet wäre, hätten wir nicht jedes Jahr um die 25% Völkerausfall. Er schlägt vor, die ersten Drohnen auszuschneiden und die weiteren am Leben zu lassen. Das könnte man als Kompromiss sehen.

Während Seip uns die Vatervölker vorführt, fällt an einer Wabe auf, dass die Brut wieder herausgefressen wurde. Das liegt am verfälschten Wachs, das durch die Umarbeitung auch in seinem Betrieb angekommen ist. Das Bienenvolk will immer nach oben wachsen. Eines Tages könnten die Waben in der ersten Zarge nicht mehr bebrütet sein. Um die Königin auch unten zu halten, hilft ein Drohnenrahmen.

Zu wenig hilft die Ameisensäure bei der Milbenbekämpfung, meint Seip. Damit sind wir beim spannendsten Thema. Kaum ein Berufsimker, kaum ein Bieneninstitut verwendet Ameisensäure, behauptet er. Wir kennen uns da nicht aus. Aber wie behandelt der Groß

Der Oxamat im Einsatz - unkompliziert und schnell!

Der Oxamat im Einsatz – unkompliziert und schnell!

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              Er verdampft „Kleesäure“, anders gesagt Oxalsäure. Mit Arbeitsschutz, z. B. Atemmaske, setzt er den „Oxamat“ oben auf das geöffnete Volk auf. Die Bienen bleiben ganz ruhig während der 2minütigen Begasung. Wenn Bienen schreien könnten, wäre es im August sehr laut. Die Ameisensäure als direkte Säureeinwirkung – bei nicht steuerbaren Temperaturen – muss ja auf ein Lebewesen gesundheitsschädliche Einwirkungen entfalten – vermutlich. Seip verdampft die Oxalsäure viermal im Abstand von vier Tagen, denn sie wirkt nicht in die Brut.Der Erfolg liegt bei > 94%. Auf „YouTube“ kann man die Handhabung des „Oxamats“ ansehen.

Kaum ein Thema bleibt uns verborgen. Auch die Frage, ob ein Schwarm zuerst in den Keller gestellt werden muss, kommt zur Sprache. Ein Naturschwarm kann sofort in seine neue Behausung eingeschlagen werden. Anders ist es bei einem Kunstschwarm, der ja mit Bienen aus verschiedenen Völkern gebildet wird. Sie müssen in der kühlen Ruhephase erst zueinander finden.

Beeindruckend sind die langen Reihen von Apidea-Kästchen, die auf Arbeitshöhe in langen Reihen im hinteren Garten aufgestellt sind. Dort beobachten wir, wie Angela die von uns bestellten Königinnen in die Zusetzkäfige verfrachtet. Sie macht den Käfig zuerst nass. Dann öffnet sie das Kästchen des Mini-Völkchens. OLYMPUS DIGITAL CAMERADie Kunststoffrähmchen haben schon kleine Naturwaben. Enthalten sie bereits gedeckelte Brut, hat die Königin den ersten Test bestanden. Angela erfasst sie bewundernswürdig sanft und sicher und steckt sie in den feuchten Käfig. Ein paar Begleitbienen dazu. Sie krabbeln nicht sofort wieder raus. Die Feuchtigkeit hält sie kurz an Ort und Stelle. Die Öffnung wird mit Futterteig verschlossen.

Herzlichen Dank an die Fa. Seip für diesen außerordentlich informativen, beindruckenden Tag, der uns für lange Zeit reichlich Diskussionsstoff bieten wird!

Karin Laute

Gut versichert im Schadensfall!

  • Welchen Schutz bietet mir die Imker-Global-Versicherung (über meine Mitgliedschaft im Landesverband Württembergischer Imker) im Schadensfall?
  • Gegen welche Schäden und Gefahren bin ich im Notfall versichert?
  • Was ist zu tun bei Diebstahl, mutwilliger Zerstörung, Brand und Spritzschäden?
  • Bin ich als Imker bei meiner Arbeit mit den Bienen haftpflichtversichert?

Alle wichtigen Informationen finden Sie hier:

Download (PDF, 2.64MB)

Jahresausflug zur Imkerei Werner Seip

Liebe Imkerfreunde,

endlich ist es wieder so weit: Unser Imkerausflug startet am Samstag, 17. Juni, um 7:00 Uhr von Pfedelbach (Parkplatz Bürgerstüble) aus nach Ebersgöns zur Imkerei Werner Seip. Dort bietet sich uns ein abwechslungsreiches Besichtigungsprogramm:

“Ankunft in Ebersgöns zwischen 10:00 Uhr und 10:30 Uhr.

Nach einer kurzen Begrüßung bei uns auf dem Betriebsgelände fahren wir zu einem ersten Bienenstand. Der Bus kann bis ca. 300 m an den Bienenstand fahren, den Rest laufen wir. An diesem Bienenstand erklären wir Ihnen unsere Betriebsweise. Wir zeigen und erklären Ihnen an diesem Bienenstand wie man auch in der heutigen Zeit mit seiner Imkerei noch wirtschaftlich und vor allem mit viel Spaß arbeiten kann.

Wir öffnen dabei auf Wunsch mehrere Völker, zeigen Ihnen wie die Pollenernte funktioniert und warum unsere Bienenvölker trotz Pollenernte stark und voll mit Brut sind. Erfahrungsgemäß halten wir uns ca. 45 bis 60 Minuten an diesem Bienenstand auf. Wir zeigen Ihnen alles, was Sie sehen wollen und beantworten gerne Ihre Fragen.

Anschließend fahren wir zu einem weiteren Bienenstand, an dem wir auf unserer Fahrt zum Mittagessen vorbeikommen. Auf diesem Bienenstand können wir Ihnen die Ablegerbildung zeigen sowie einen ersten Einblick in unsere Könignnenzucht geben. Wie am ersten Bienenstand werden wir auf Wunsch Ableger, Königinnen- zuchtkästchen oder auch Völker – z.B. Vatervölker – öffnen. Machen Sie sich dabei selbst ein Bild über die Sanftmut und Leistungsfähigkeit unserer Bienen.

Gegen 13:00 Uhr werden wir uns in einer Gaststätte zum gemeinsamen Mittagessen einfinden.

Gegen 14:30 Uhr – 15:00 Uhr sollte das Mittagessen beendet sein. Wir fahren dann mit dem Bus zurück nach Ebersgöns.

Interessierten Imkern zeigen wir dann gerne noch unsere Königinnenzucht, sowie unsere Zuchtvölker. Darüber hinaus kommt dabei das Thema Varroa nicht zu kurz. Wir haben im vergangenen Jahr eine rein biologische Varroabekämpfung ausprobiert die erfolgreich verlaufen ist.
Wenn Sie möchten können wir gerne Völker die „biologisch“ behandelt werden öffnen, auch während der Tracht. Dabei zeigen wir Ihnen gerne die dafür notwendigen Geräte. Natürlich können Sie auch wieder Fragen stellen.

Für den Nachmittag haben wir für Sie Kaffee und Kuchen in Ebersgöns vorbereitet.

Wenn Sie möchten können wir Ihnen natürlich noch gerne unsere Wachsverarbeitung, die Schreinerei, den Schleuderraum usw. zeigen. Ihre Abfahrt sollten Sie nicht vor 16:00 oder 17:00 Uhr planen.

Wir möchten noch folgendes bemerken:

Wenn Sie unsere Großimkerei besichtigen, erleben Sie eine Imkerei „live“. Es wird an keinem Bienenstand etwas für unsere Gäste „vorbereitet“. Sie können auswählen welche Völker wir öffnen sollen. Alles wird so erklärt, dass sowohl erfahrene Imker aber auch Imkeranfänger viel Wissenswertes sehen und viel lernen können.”

Weitere Infos unter: www.werner-seip.de

Was ist noch wichtig zu wissen:

Es gibt unterwegs ein zweites Frühstück mit Sekt und eventuell ein kleines alternatives, weniger bienenlastiges Begleitprogramm zur freien Auswahl!

Ankunft in Pfedelbach um ca. 19:00 Uhr

Fröhlicher Abschluss im Bürgerstüble

Kosten: 15.- € (wird im Bus eingesammelt, Mittagessen muss selbst bezahlt werden)

 

Bitte meldet euch rechtzeitig an, denn es gibt nur noch 5 freie Plätze!!

Umbau des Imkerpavillons: Es geht voran!

Es tut sich was an unserem neuen Standort

Pünktlich zum Frühjahr erwachen nicht nur unsere Bienenvölker zu neuem Leben, auch wir Imker haben den Winter genutzt, um uns zu regenerieren und nun mit neuer Kraft den Umbau des Imkerpavillons voranzutreiben. Dank der erfolgreichen Landesgartenschau sind wir nun in der Lage, unseren Imkerpavillon am bisherigen Standort in der Cappelaue behalten zu können und für unsere Vereins- bzw. Öffentlichkeitsarbeit nutzen zu können. april2017 187In den nächsten Wochen und Monaten sollen hier ein vorbildlicher Schleuder- und Hygieneraum, ein Lagerraum sowie Räumlichkeiten für unsere Schulungs- und Öffentlichkeitsarbeit entstehen. Die kommenden Generationen an Neuimkern haben damit optimale Möglichkeiten, den Umgang mit Bienen, Honig und die Verarbeitung von Bienenprodukten wie Propolis, Blütenpollen und Bienenwachs vor Ort kennenzulernen und auszuprobieren.

Bis zur offiziellen Eröffnung im kommenden Frühjahr – zeitgleich mit dem Start des neuen Imkerkurses – wird es aber noch einiges zu tun geben. Bisher wurde an zwei Samstagen das komplette Inventar abgebaut und eingelagert. Um das provisorische Fundament dauerhaft tragfähig zu gestalten, mussten an sämtlichen Ecken Punktfundamente gegossen werden. Der nächste Schritt wird nun die Versetzung und Stabilisierung einzelner Seitenwände sein, damit anschließend der bisherige Holzbodenaufbau einer tragfähigen Betonplatte weichen kann. Erst dann beginnt der eigentliche Innenausbau – übrigens mit Fensterblick auf die wunderschöne Cappelaue! Und nicht zu vergessen: die Außenanlagen! Nach der Landesgartenschau gilt es, die blühenden Landschaften wieder zum Leben zu erwecken.

Viele Hände, schnelles Ende!

Viele Hände, schnelles Ende!

Und auch unser Bienen-lehrpfad will gepflegt und die Streuobstwiese gemäht sein. An vielfältigen Möglichkeiten, sich zu engagieren, fehlt es also wahrlich nicht. Wer sich das nicht entgehen lassen möchte, darf sich gern freiwillig zum Mithelfen melden, es gibt wie immer beste Unterhaltung und Verpflegung!

Die Frühjahrsversammlung des Bienenzuchtvereins Hohenlohe–Öhringen in Pfedelbach war außerordentlich gut besucht

Der 1. Vorsitzende Andreas Grathwohl konnte gleich zu Beginn Ehrungen des Landesverbandes Württembergischer Imker an Herrn Christoph Soter und Frau Karin Laute überreichen. Christoph Soter erhielt die Ehrenurkunde in Gold für vorbildliche Leistungen um die Förderung der Bienenzucht, Frau Laute die Verdienstnadel in Silber.

Werner Wieland, Erich Wieland, Hermann Eckert, Karin Laute, Albert Klaus

Werner Wieland, Erich Wieland, Hermann Eckert, Karin Laute, Albert Klaus

Die Ehrenmitgliedschaft wurde Friedrich Kammleiter und Hermann Eckert für 60jährige Vereinszugehörigkeit zugesprochen. Schon 40 Jahre lang sind Albert Klaus, Erich Wieland und Werner Wieland Mitglieder des Vereins. Mit einer goldenen Nadel und einer Ehrenurkunde wurde ihre Zuverlässigkeit gewürdigt. Werner Sachs erhielt die Ehrung für 25 Jahre.

Nach Informationen über den Imkerpavillon hielt Herr Roland Frisch einen Vortrag über das Projekt „Pollenvereinigung Allgäu – Bodensee – Oberschwaben“. Einheimischen Pollen zu sammeln bedeutet für Bienen und Imker einen besonderen Einsatz, aber er lohnt sich. Heilpraktikerin Rosemarie Bort wies ergänzend auf die Wirkungen des Blütenpollens hin: Als reines Naturprodukt kann er das Immunsystem stärken, alle wichtigen Vitamine, Mineralstoffe und weitere Biostoffe liefern. Schließlich gehört er zu den 10 wichtigsten und besten Lebensmitteln der Welt! Insbesondere die Männer sollten pro Tag 1 bis 2 EL Blütenpollen zu sich nehmen, um die Prostata vor Vergrößerung zu schützen.

Katrin Laute

Einladung zur Frühjahrsversammlung 2017

Liebe Imkerfreunde,

unsere diesjährige Frühjahrsversammlung findet am Donnerstag, 09.03.2017, um 19:00 Uhr im Bürgerstüble in Pfedelbach statt.

 Themen:

  1. Begrüßung
  2. Ehrungen
  3. Kassenbericht, Entlastung der Vorstandschaft
  4. Rückblick Landesgartenschau
  5. Imkerpavillon Cappelaue
  6. Vereinsausflug zur Fa. Seip (http://werner-seip.de/html/betriebsbesichtigungen.html)
  7. Vortrag Roland Frisch (Pollenvereinigung Allgäu-Bodensee-Oberschwabe e.V.) und Rosemarie Bort (http://www.rosemariebort.com/) zum Thema Blütenpollen
  8. Info zur Bestellung von Varroa-Behandlungsmitteln
  9. Allgemeines und Fragen

Wichtig!

Seit letztem Jahr wird zur Bestellung der Varroa-Behandlungsmittel die Registriernummer vom Veterinäramt verlangt. Wer diese noch nicht hat, bitte beim Veterinäramt beantragen und mitbringen. Beachtet bitte auch die Informationen zur maximalen Bestellmenge und zu der erstmals erhältlichen Sprühlösung Oxuvar:

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Über eine rege Teilnahme freut sich die gesamte Vorstandschaft!

 Mit freundlichen Grüßen

Andreas Grathwohl

Gesund, schlank und fit mit Honig – Renate Frank auf der Landesgartenschau

In den letzten Jahren wurden viele neue Wirkungsweisen des naturbelassenen Honigs entdeckt, und seine Verwendung für die Gesundheitsvorsorge ist vielfältiger geworden. Trotzdem lassen sich Verbraucher/innen immer noch durch zahlreiche Mythen rund um den Honig verunsichern. Die Ernährungsberaterin Renate Frank ging auf die Honigirrtümer ein und erklärte, wie Honig auf Körper, Geist und Seele wirkt und wie man mit dem Bienenprodukt leichter abnehmen, das Immunsystem stärken und Krankheiten vorbeugen kann.

Renate Frank ist überzeugt: Die allermeisten gesundheitlichen Probleme hängen mit Ernährungsproblemen zusammen und können mit Honig und der richtigen Ernährung wieder beseitigt werden. Welche Probleme sind das in der Regel? Es sind Gewichtsprobleme, Diabetes, Herz-/Kreislauf – Schwierigkeiten oder ein geschwächtes Immunsystem. Ihre Erkenntnisse hat sie in einem neuen Buch zusammengefasst: „Honig, köstlich, gesund und vielseitig, mit 180 Rezepten für alle Lebenslagen“ Ulmer-Verlag, ca. 20 €

Die Vorliebe für Süßes ist angeboren, und viele Menschen brauchen Glückshormone. Hier liegt die eigentliche Wurzel des Übels. Der Volksmund sagt in diesem Fall: Iss doch Schokolade! Schokolade ist die beliebteste Süßigkeit der Deutschen. Süßes öffnet die Blut – Hirn – Schranke, die ansonsten geschlossen bliebe, um das Gehirn vor schädlichen Stoffen zu schützen. Der Nervenbotenstoff Serotonin strömt ins Gehirn und verbessert die Stimmung. Deshalb wird Serotonin auch „Glückshormon“ genannt. Gleichzeitig erhält die Bauchspeicheldrüse den Befehl, Insulin auszuschütten. Damit sinkt der Blutzuckerspiegel, – die Hirn-Schranke geht wieder zu. Die beglückende Wirkung des Zuckerkonsums hält also nicht lange an. Kurz darauf erwacht die Lust auf ein neues Stück Schokolade, die ja zur Hälfte aus Haushaltszucker (Saccharose) besteht. Wenn man den Zuckerverbrauch weiterhin so betreibt, führt das unweigerlich zur Gewichtssteigerung, mit all seinen gesundheitlichen Beeinträchtigungen im Schlepptau.

Renate Frank mit Christoph Soter

Renate Frank mit Christoph Soter

Was also tun, wenn die Lust auf Süßes kommt? Wenn ich schlechte Laune habe? Einen Löffel Honig (Honig vom deutschen Imker!) schlecken – langsam und genüßlich!

Hier kommt der Mythos „Honig ist auch nur Zucker“ ins Spiel. Aber nein!! sagt Frau Frank. Honig unterscheidet sich von jedem anderen Süßungsmittel. Honig enthält mindestens 30 verschiedene Zuckerverbindungen, die nicht auf einen Schlag ins Blut strömen, sondern die schön langsam nacheinander durch den Verdauungstrakt geschleust werden und schließlich als Einfachzucker ins Blut gelangen, womit der Blutzuckerwert über Stunden in etwa gleichbleibender Höhe, mit nur geringen Schwankungen gehalten wird, und somit bleibt die Blut-Hirn-Schranke geöffnet. Anders als beim Haushaltszucker kann Serotonin über Stunden im Gehirn, der Steuerungszentrale des menschlichen Körpers, aufgenommen werden. Honig enthält Serotonin. Und somit ist der Mensch für lange Zeit zufrieden. Serotonin macht nicht nur gut gestimmt, es steuert auch das Schmerzempfinden. Frau Frank gibt dazu einige Ratschläge, wie Schmerzen mit Hilfe von Honig bekämpft werden können.

Bei der Aussage „Honig macht dick“ handelt es sich um einen weiteren Irrtum, den Frau Frank mit Hilfe von einigen Studien aufdecken konnte. Das überraschende Ergebnis zeigte sogar, dass man mit 2 bis 3 EL Honig pro Tag an Gewicht verlieren kann! Und das ist kein Wunder, denn wer regelmäßig Honig isst, hat seltener Appetit auf Süßes. Dazu kommt: Wer anstelle von 100g Haushaltszucker 70 g Honig verwendet, spart bei gleicher Süßkraft ca. 170kcal ein.

Die Zahl der Diabetiker wäre wesentlich kleiner, wenn die Saccharose grundsätzlich von Anfang an als Süßungsmittel ausgeschlossen wäre. Aber wenn es schon zur Erkrankung gekommen ist, würden dem Diabetiker Stoffe aus dem Honig fehlen, die für seinen Stoffwechsel günstig sind. Die Behauptung, Diabetiker dürfen keinen Honig essen, schickt Frau Frank ebenfalls ins Reich der Legenden. Z. B. verbessert der Honiginhaltsstoff Chrom die Aufnahme von Zucker in die Zelle, wo er als Betriebsstoff verbrannt wird, Energie und Wärme spendet. Deutsche Blütenhonige enthalten 1000mal mehr Chrom als Haushaltszucker. 50g davon decken den Tagesbedarf an Chrom. Für Diabetiker sind Blütenhonige besonders günstig, denn sie enthalten mehr Pollen. Pollen verlangsamen die Aufnahme der Zucker im Darm und sind reich an B – Vitaminen. Gerade Diabetiker haben häufig Vitamin B – Mangel, der sich durch Müdigkeit, Erschöpftsein, Vergesslichkeit, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen zeigt. Allerdings sollten Diabetiker ein paar Regeln beachten: Höchstens 2 EL Honig pro Tag, und den nicht pur, sondern verpackt in Getränken oder in Verbindung mit Lebensmitteln verzehren! In ihrem Buch veröffentlicht Renate Frank einschlägige Rezepte, die auch noch lecker sind.

Manches Mal hört man den Satz „Honig erhöht die Cholesterinwerte.“ Stimmt nicht. Honig, insbesondere die dunklen Sorten, verringert sogar das Risiko für Arterienverkalkung, indem sich die Freien Radikalen (Krankmacher) auf die Farbstoffe des Honigs (Flavonoide) stürzen und die lebenswichtigen Stoffwechselteile, insbesondere den Zellkern und das Erbgut unbeschädigt lassen. Stoffe, die vor Freien Radikalen schützen, nennt man Antioxidantien.

5 Wochen lang pro Tag 2 EL Honig verzehrt, bedeutet einen deutlichen Anstieg der Antioxidantien und eine Verringerung des LDL – Cholesterins. Die Kombination Honig mit Walnüssen ist ideal geeignet, den Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Honig liefert ebenso viele wirksame Antioxidantien wie Obst und Gemüse.

Mit Honig vertragen Betroffene Krebsbehandlungen besser, erleiden z. B. weniger Schädigungen durch Bestrahlungen. Das ist eine verhältnismäßig neue Erkenntnis. Länger bekannt ist die antibiotische Wirkung in der Wundbehandlung. Gerade in heutiger Zeit, wo sich immer mehr Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln, kommt dem Honig in der Wundheilung immer größere Bedeutung zu.

Schnupfen: Die verantwortlichen Staphylokokken werden erfolgreich bekämpft, indem man eine Lösung, bestehend aus 1 EL Honig und 1 Glas lauwarmen Wassers mittels einer Pipette in die Nase träufelt.

Parodontitis: Menschen mit Zahnfleischschwund erleiden häufiger einen Herzinfarkt und müssen den Verlust von Zähnen befürchten. Dieses Problem ist also sehr ernst zu nehmen! Immer mal wieder ein wenig Honig im Mund lange zergehen lassen, – das hilft bei der Abtötung der Parodontitis-Erreger – oder Spülungen mit einer 10%igen Honiglösung durchführen.

Wo befindet sich die Batterie unseres Körpers?“, fragte Frau Frank, „die auch nach großer Anstrengung noch Energie und lebensnotwendige Biostoffe liefert?“ Die Leber ist unsere Batterie. Sie speichert Zuckerreserven oder B-Vitamine. Vor allem baut sie Fette ab und wandelt sie so um, dass sie über das Blut in die Zellen aufgenommen werden können. Eine fett- und zuckerreiche Ernährung überfordert die Leber, auch Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel tragen zur Bildung einer Fettleber bei. Um ihre wichtige Aufgabe erfüllen zu können, braucht die Leber Cholin. Die Eiweißverbindung Cholin ist im Honig enthalten. Besonders günstig wirkt sich die Verbindung von Quark mit Honig aus.

Renate Frank und Andreas Grathwohl

Renate Frank und Andreas Grathwohl

Zusammenfassend konnte Renate Frank sagen:

2 EL Honig pro Tag, gut verteilt, entfaltet seine gesundheitliche Wirkung, und man bleibt fit bis ins hohe Alter. Denn Honig ist ein Naturprodukt, ist ideal auf den menschlichen Organismus abgestimmt und enthält viele Wirkstoffe in genau richtigem Verhältnis. Es kommt nicht auf große Mengen an. Die Kombination ist ideal! Honig hat keine Nebenwirkungen und macht glücklich. Was will man mehr? Ja, man will mehr! Eine gesunde Lebensführung insgesamt ist die Grundvoraussetzung für ein tolles Lebensgefühl!

Beitrag von Karin Laute

Neujahrswünsche: Blick zurück nach vorn!

Der BV Hohenlohe-Öhringen wünscht allen seinen Mitgliedern und Freunden ein gutes Neues Jahr 2017, Gesundheit und Wohlbefinden, und natürlich viel Freude an und mit den Bienenvölkern!

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende zu und ich möchte es nicht versäumen, mich bei allen Vereinsmitgliedern und Freunden für die vielen Begegnungen und das großartige Engagement zu bedanken. Wir haben mit dem Bau unseres Imkerpavillons und den zahlreichen Veranstaltungen während der Landesgartenschau Unglaubliches geleistet, worauf wir zurecht stolz sein können.

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Großes Abschlussfest mit über 200 Helfern aus 14 Imkervereinen!

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Interessierte müssen leider noch ein Jahr auf ihren ersten Kontakt mit ihren eigenen Bienen warten!

Zum Glück gibt es auch im neuen Jahr noch viel zu tun, sodass uns bestimmt nicht langweilig werden wird: die Fundamente des Pavillons müssen betoniert, die Bodenplatte neu aufgebaut und ein Schleuderraum eingerichtet werden. Das heißt, wir werden im kommenden Jahr erstmal eine Baustelle an Stelle unseres schönen Imkerpavillons haben. Deshalb haben wir uns schweren Herzens entschieden, im Frühjahr 2017 keinen Imkerkurs anzubieten! Alle Interessierten sind aber herzlich eingeladen, zu unseren Monatsveranstaltungen im Bürgerstüble in Pfedelbach zu kommen oder sich auf unserer Frühjahrsversammlung am 9. März ein Bild von der Imkerei und unserem Vereinsleben zu machen.

Ein weiterer Höhepunkt im Jahr 2017 ist sicherlich unser Jahresausflug am 17. Juni zur Imkerei Seip nach Butzbach im Taunus. Dort besichtigen wir die imkerliche Betriebsweise und bekommen Einblicke in die Gewinnung von Blütenpollen, die Verarbeitung von Bienenwachs und in die Praxis der Königinnenzucht und Ablegerbildung. Für alle Nicht-Imker wird es laut Werner Seip ebenfalls sehr lohnenswert sein, da auch für sie Überraschendes geboten werden wird. Also unbedingt den Termin heute schon vormerken! Die Fahrt ist für alle Mitglieder, Freunde und Imker der Nachbarvereine eine tolle Gelegenheit sich besser kennenzulernen und in Erinnerungen an die Landesgartenschau zu schwelgen.

Wir freuen uns auf zahlreiche Begegnungen mit euch in 2017!

Euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Propolis – natürliches Antibiotikum und Immunmodulator aus dem Bienenstock

Susanne und Jörg Kraft, Heilpraktiker und Apitherapeuten aus Wolpertshausen, referierten im Rahmen der Gesundheitstage „Heilende Bienenprodukte“ vor zahlreichen bienenbegeisterten Zuhörern über die vielfältigen Wirkungen des altbewährten Heilmittels Propolis, auch Kittharz genannt.

Propolis- eine zähe klebrige Masse

Propolis- eine zähe klebrige Masse

Propolis wurde und wird von vielen Menschen wegen ihrer antibakteriellen, antiviralen und antimykotischen Wirkung sehr geschätzt. Dass die Bienen schon seit ca. 40 – 100 Mio. Jahren die Erde bevölkern, wissen wir durch Funde von Bernsteineinschlüssen. In dieser unvorstellbar langen Zeit konnten die Bienen durch ihre Bestäubungsleistung einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Blütenarten nehmen. In Felsmalereien wird die frühe Nutzung der Bienen durch den Menschen belegt. Tontafeln aus dem Gebiet zwischen Euphrat und Tigris bezeugen heilkundige Anwendungen, die auf 2000 J. vor Christus datiert sind.

Das Wesen der Bienen hat die Menschen von jeher fasziniert. So leben sie in vollständiger Symbiose mit der Umwelt, ohne Zerstörung anzurichten. In einer Umgebung, in der meist das Prinzip „fressen und gefressen werden“ gilt, tanzen die Bienen sprichwörtlich aus der Reihe. Sie regenerieren sich immer wieder aus sich selbst heraus. Als Dankesgabe für den Liebesakt der Bestäubung an Blüten und Blumen werden sie mit Nektar beschenkt. Bienen verbindet man mit Attributen wie Fleiß, Opferbereitschaft, Wehrhaftigkeit, Fruchtbarkeit, Licht, Wärme, Sonne und Harmonie. So ist es verständlich, dass sie bei Fruchtbarkeitsriten verehrt wurden, immer wieder auch in unterschiedlichen Bibelstellen Erwähnung fanden und ein Symbol für königliche Würde und Macht wurden.

Wir wissen, dass schon die Ägypter zur Mumifizierung ihrer Toten Propolis verwendet haben. Auch die „alten“ Gelehrten und Ärzte wie Aristoteles, Plinius der Ältere und Dioskurides beschrieben Propolis in ihren heilkundlichen Anwendungen. So lobte Dioskurides ihre Zugkraft bei Dornen und bei dem Einsatz in Dampfform bei altem Husten. Die Inkas heilten fiebrige Infektionen mit Propolis. Militärärzte der napoleonischen Kriege nutzten Propolis bei Wundinfektionen. Auch im ersten und zweiten Weltkrieg kamen Honig und Propolis mangels Medikamenten zum Einsatz.

Die Propolis sammeln spezialisierte Bienen von dem harzartigen Überzug der Baumknospen. Diese Schicht dient den Pflanzen als Schutz vor winterlichen Witterungseinflüssen (Sonne, Kälte, Regen). Außerdem schützt sie die zarten Knospen vor Mikroogranismen. Je nach Pflanzenart findet sich verschiedenartig gefärbte Propolis. In der Therapie stehen uns zur Verfügung: Die heimische, bräunliche Propolis, die grüne Propolis einer Asternart aus Brasilien oder die rote Propolis aus den Mangroven Brasiliens. Während eines Urlaubs in Südafrika konnten wir einen Imkerkollegen besuchen und stellten fest, dass die Propolis am Kap fast schwarz ist, mit einem sehr intensiven, aber angenehmen Geruch.

Der alte Begriff „schwarzes Wachs“ weist darauf hin, dass die Bienen zur leichteren Verarbeitung Wachsanteile hinzufügen.

Desinfizierender Fußabstreifer - Schwarzes Propolis der Kapbiene

Desinfizierender Fußabstreifer – Schwarzes Propolis der Kapbiene

Mit der Propolis verkitten die Bienen Ritzen im Bienenstock und lagern sie als Vorräte an den Rändern der Rähmchen ab. Damit schützen sie das Volk vor Zugluft, Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit und Mikroorganismen. Sie kleiden die Zellen mit einer hauchdünnen Schicht Propolis aus, bevor Pollen oder Honig eingelagert werden. Auch vor der Eiablage wird die „Kinderwiege“ oder der „Uterus“, wie sie von einigen Autoren beschrieben wird, mit Propolis desinfiziert.

Gewinnung von Rohpropolis durch Abkratzen

Gewinnung von Rohpropolis durch Abkratzen

Die Ernte von Propolis erfolgt meist durch Abkratzen bei der Arbeit am Bienenstock.

Hier wird das sogenannte Rohpropolis geerntet. Es können noch Bienenteile, Holzsplitter oder kleine Metallstücke der Drahtbespannung enthalten sein.

Rohpropolis eignet sich zur Herstellung von Propolislösung.

Wichtiger Hinweis: Propolis ist als Arzneimittel eingestuft, und die Herstellung fällt unter das Arzneimittelgesetz.

Propolis auf dem Propolisgitter

Propolis auf dem Propolisgitter

Eine sehr reine Propolis kann man mit Hilfe von Propolisgittern ernten.

Was wir allerdings nicht sehen können, ist die Verunreinigung bzw. die Belastung der Propolis mit Schwermetallen. Propolis hat die Fähigkeit, Schwermetalle zu binden.

Diese Eigenschaft nutzen wir in der Therapie gerne, um Schwermetalle aus dem Körper auszuleiten. Hier löst sie die Schwermetalle, bindet sie, und der Körper scheidet sie aus. Allerdings kann diese Aufgabe nur von einer unbelasteten Propolis übernommen werden. Stehen die Bienenvölker in einer Umgebung, die mit Schwermetallen belastet ist, werden diese schon vor der Ernte der Propolis darin gebunden. Eine solche Propolis scheidet für den Einsatz bei Menschen aus.

Mittlerweile sind mehr als 200 Einzelsubstanzen im Propolis nachgewiesen. Je nachdem welche Baumharze die Bienen in der Natur vorfinden, schwanken die Anteile der Stoffe. Deshalb ist eine wissenschaftliche Standardisierung nicht möglich.

Man weiß aber, dass etwa:

50 – 55% Harze und Balsame

30 – 40% Wachs
5 – 10% ätherische Öle, Spurenelemente, organische Säuren, Flavonoide, Zucker, Vitamine, Aminosäuren und Mineralstoffe sind.

Zwei dieser Inhaltsstoffe möchten wir näher vorstellen.

Flavonoide sind sekundäre Pflanzenstoffe; sie sind als Radikalenfänger bekannt.

Diese freien Radikalen entstehen durch oxidativen Stress im Gewebe und können dort zu (chronischen) Entzündungen führen. Diese Entzündungen stehen wiederum im Verdacht, ganz wesentlich zu der Entstehung eines Krebsgeschehens beizutragen.

Die Einnahme / Verwendung von Propolis hilft, die freien Radikalen zu binden, somit die Entzündungsprozesse zu verhindern und dient in der Folge auch der Krebsprophylaxe. Im menschlichen Stoffwechsel liefern die Flavonoide notwendige Hilfsstoffe für viele Mechanismen der Infektabwehr und sorgen für den geordneten Ablauf der Zellteilung.

Auch die Ferulasäure unterbindet oxidative Prozesse und wirkt entzündungshemmend. Damit hat sie eine hemmende Wirkung auf das Wachstum bestimmter Krebszellen. Sie verstärkt das Wachstum von Lymphozyten (weiße Blutkörperchen), die eine wichtige Rolle im Abwehrsystem einnehmen. Sie unterstützt die Vitamine C und E, repariert Hautschäden durch UV-Strahlung und wirkt der Hautalterung entgegen. Ferulasäure ist hautstraffend und kann helfen, Altersflecken zu reduzieren.

Propolis wirkt antibakteriell. Wissenschaftlich belegt ist die hemmende Wirkung auf Staphylo,- und Streptokokken, E.Coli, u.a., indem sie die Zellwand der Bakterien und das Zytoplasma zerstört. Bisher sind keine Resistenzbildungen bekannt.

Propolis wirkt auch antiviral. Nachweislich schädigt sie Herpes-Viren, Papilloma-Viren und verschiedene virale Auslöser von Atemwegsinfekten. Sie entgiftet die Leber, stärkt Blutgefäße und Zellmembranen, sie erhöht die Fließeigenschaften des Blutes und verbessert so die Durchblutung. Sie beschleunigt die Wundheilung und trocknet nässende Wunden. Propolis wirkt außerdem gegen Pilzinfektionen. Gleich nach dem Auftragen setzt die schmerzstillende Wirkung ein. Sie hemmt Tumore in ihrem Wachstum, stimuliert das Abwehrsystem und hellt die Stimmung auf.

Es gibt eine ganze Reihe unterschiedlicher Aufbereitungsarten von Propolis. Wir setzen es als Rohpropolis (gereinigt), als Tinktur, in Kapselform, in Salben, in Nasen- und Mundsprays, in speziell hergestellten Augentropfen, in Zäpfchen, in Zahnpasta und anderen kosmetischen Aufbereitungen, ein.

Es ist möglich, mittels Propolisverdampfer (Propolair) die Raumluft zu verbessern oder auch eine Dampfinhalation mit Propolis durchzuführen. Gerade in der Erkältungszeit eine einfache Anwendung: Hierzu wird Wasser auf knapp 40 Grad erwärmt. In etwa 1 Esslöffel Honig werden einige Tropfen Propolistinktur gemischt. Die Mischung gibt man in eine Schüssel mit dem warmen Wasser. Mit dem Handtuch über dem Kopf inhaliert der Patient den mit Propolis angereicherten Dampf. Trotz relativ niedriger Temperaturen wird der/die Anwender/in eine Dampfatmosphäre spüren.

Hier noch einige Anwendungsbeispiele:

Wir verwenden Propolis in der Wundheilung und zur Narbenpflege. Dabei ist zu beachten, dass Propolis eine austrocknende Wirkung hat. Verschmutzte oder Wunden, die in der Tiefe Keime haben, dürfen nicht mit Propolis behandelt werden. Propolis sorgt für einen schnellen Verschluss der Wunde, so dass bei den beschriebenen Wunden die Gefahr einer Infektion besteht.

Ein Stückchen Rohpropolis an den hinteren Backenzahn geklebt und dort über Nacht gelassen, hilft bei Halsschmerzen, aber auch bei Entzündungen im Mundraum.

Zur allgemeinen Stärkung und zur Infektprophylaxe hat sich eine Mischung aus Honig, Pollen und Propolis bewährt.

Weitere Behandlungsfelder sind der Verdauungstrakt, das Urogenitalsystem, das Gefäßsystem, die Haut, die Ohren und die Atemwege, um nur einige zu nennen.

Wenn Sie sich oder Ihre Familienangehörigen zu Hause selbst behandeln, nehmen Sie bitte folgenden Rat ernst: Wenn spätestens nach 3 Tagen keine Besserung eingetreten ist, gehen Sie zu einem Heilpraktiker oder zu einem Arzt!

Ganz allgemein kann man sagen, dass die Wirkung von Propolis sehr vielfältig ist. Von den meisten Menschen wird sie auch gut vertragen. Nur wenige Menschen neigen zu einer Kontaktallergie, die sich auf der Haut durch Schwellung, rote Pusteln und brennende Rötung zeigt. Wenn die Haut beim Verträglichkeitstest – einige Tropfen in die Armbeuge – ruhig bleibt, darf man die Propolis verwenden.

Wird eine Propolistinktur verschüttet, ist es sehr schwer, diese Flecken wieder zu entfernen. Einige Oberflächen (z. B. Edelstahl) sind unproblematisch, Verfärbungen der Haut verschwinden mit der Zeit, aber auf Kleidungsstücken sind Propolisflecken nicht herauszubekommen.

Beitrag und Bilder von Susanne und Jörg Kraft